Außerirdische - Es gibt sie doch?!

 

                                         Von Wahrscheinlichkeiten und dem "Tag ohne Gestern"

 

                                                                                                      von Ann-Christin Grote


Am Rosenmontagabend war der große Physik-Hörsaal im Gymnasium Nordenham mit über 60 Besucherinnen und Besuchern nahezu rappelvoll.

Herr Prof. Dr. Andreas Burkert von der LMU München referierte über das Thema „Urknall und Sternenstaub“. Der Vortrag beinhaltete nicht nur erstaunliche Fakten, sondern war zudem auch überaus anschaulich und unterhaltsam. So viel wurde während eines Gastvortrages selten geschmunzelt und gelacht.


 

Wussten Sie, dass Sie, wenn Sie abends schlafen gehen, am nächsten Morgen ganz woanders aufwachen?

Nein? Ich auch nicht. Gut, man mag an die Drehung der Erde um die eigene Achse und zudem um die Sonne denken. Von daher… Jedoch gibt es noch eine weitere beachtliche Strecke, die wir zurücklegen:

800.000 Kilometer pro Stunde (!) bewegen wir uns mit der Rotation der Milchstraße im Universum fort, so der Professor. Diese Geschwindigkeit ist wirklich enorm. Natürlich drehen wir uns ständig, auch tagsüber, mit.

Aber Prof. Dr. Andreas Burkerts anschauliches Beispiel macht es auf amüsante Weise sehr gut deutlich:

Diese Geschwindigkeit bedeutet, dass, wenn jemand zehn Stunden schläft – naja, wer darf das schon, aber es rechnet sich gut – er sich währenddessen aufgrund der Rotation der Milchstraße acht Millionen Kilometer im Universum fortbewegt. Donnerschlag! Und? An welcher Stelle im Universum hat es Ihnen denn bis jetzt so am besten gefallen?

 

Eine ganze Runde würde übrigens niemand schaffen. Die Zeit, in der sich die Milchstraße allein nur um die Hälfte gedreht hat, ist schon die Zeitspanne, die zwischen der Existenz der Dinosaurier und dem Beginn der Menschheit liegt.

 

Die Milchstraße dreht sich, die Erde dreht sich um die Sonne, die Erde dreht sich um sich selbst…

Da kommt einem ja glatt das Bild vom Break-Dancer in den Sinn. Abgesehen davon, dass mich dort keine zehn Pferde reinkriegen würden, ein witziger Vergleich. 

 

 

Es gibt sie doch?!

 

Weiter ging es in Prof. Dr. Burkerts Vortrag zur Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass wir wirklich allein im Universum sind.

 

Mal ehrlich, glauben Sie an Außerirdische? Jeder würde spontan erst einmal an irgendwelche Science-Fiction-Filme oder Kornkreise denken und die Frage lachend verneinen, würde ich mal vermuten. Jedoch sollte man einmal genauer darüber nachdenken. Prof. Dr. Andreas Burkert lieferte interessante Zahlen zu diesem Thema.

 

Die 6.000 °C auf der Oberfläche unserer Sonne sind gerade richtig, damit sich auf unserer Erde in der Entfernung, die sie zur Sonne hat, Wasser befinden kann, die Grundvoraussetzung für Leben.

Es gibt rund 200 Milliarden Sterne allein in unserer Galaxie, der Milchstraße, so Prof. Dr. Burkert. Jeder dieser Sterne, die nichts anderes als Sonnen sind, weist wiederum ein eigenes System mit mehreren Planeten auf.

Dabei ist die Milchstraße nur eine von unzähligen Galaxien. Wenn man ein Sandkorn eine Armlänge von sich entfernt betrachte, befänden sich dahinter allein schon 3.000 Galaxien. Wie viele Planeten müssten das erst sein? Man stelle sich dann vor, wie viele Sandkörner man um sich herum platzieren könnte und wie viel größer die Anzahl an Galaxien und Planeten dann wäre.

 

Ist es dann nicht tatsächlich wahrscheinlicher, dass es auf wenigstens einem anderen jener unzähligen Planeten die Voraussetzungen gibt, das Leben entstehen kann, als dass nur unser blauer Planet von Lebewesen bewohnt ist? Es müssen ja nicht gleich kleine grüne Männchen sein… Scherz beiseite, aber man denke zum Beispiel an eine Art von Pflanzen oder Tieren, wenn nicht gar menschenartige Lebewesen oder ganz andere Lebensformen.

 

Bis tatsächlich außerirdisches Leben gefunden wird, wird es wohl noch länger dauern. Doch eines ist so gut wie sicher: Ein gegenseitiger Besuch wird angesichts der Entfernungen im Universum wohl schwierig… Mehrere Generationen müssten in einem Raumschiff leben, bis die xte Generation irgendwann bei uns ankäme – oder wir bei ihnen, macht der Dozent deutlich.

Da haben wir es mit gegenseitigen Besuchen auf der Erde doch wesentlich einfacher. Vielleicht sollte man das nächste Mal, wenn man im Stau steht oder eine längere Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestreitet, daran denken und ein wenig dankbar sein. Dann bekommt das alles gleich ganz andere Dimensionen. 

 

 

"Der Tag ohne Gestern"

 

Aber wie fing denn eigentlich alles im Universum an? „Der Tag ohne Gestern“ – so nennt Prof. Dr. Andreas Burkert den Tag vor rund 13,82 Milliarden Jahren, mit dem die Entstehung des Universums begann.

Und was war davor? Eben nichts – also auch kein „Gestern“, so scheint es. Ob tatsächlich doch etwas oder nichts vor dem Beginn der Entstehung des Universums passierte, wird wohl noch lange Zeit fraglich bleiben.

 

Was jedoch bekannt ist, ist die Tatsache, dass sich das Universum weiterhin ausdehnt. Die Whirlpoolgalaxie zum Beispiel entferne sich laut des Professors von unserer Erde erstaunliche 1,6 Millionen Kilometer pro Stunde! Das, betont er, würde bedeuten, dass wir quasi immer noch im Urknall leben – und damit mittendrin in der Entstehung des Universums.

 

Prof. Dr. Burkert beendete seinen Vortrag mit einem berührenden Appell: Passen wir alle gut auf unsere Erde auf, damit wir auch weiterhin ein Teil der Entstehung des Universums bleiben dürfen.

Diesen Worten kann ich mich nur anschließen. 

 

Auf bald und allseits klare Sicht!