Geschichte

Quelle SuW Juli-August 1987
Autor Joachim Herrmann

Dieser Text wurde aus der SuW 1987 übernommen und bewußt nicht verändert. Aus diesem Grund sind einige Angaben nicht mehr aktuell, allerdings können die aktuellen Daten aus den anderen Bereichen der Website entnommen werden.

Nur wenigen Süddeutschen wird das kleine Städtchen Nordenham in Niedersachsen bekannt sein. Und doch liegt es an einer geographisch ausgezeichneten Stelle: an der Wesermündung, Bremerhaven ungefähr gegenüber auf der Westseite.

Hier entdeckten bereits vor über 10 Jahren einige Menschen ihre Liebe zur Astronomie. Dazu zählten besonders Siegfried Lührs, der seit 1958 am Nordenhamer Gymnasium als Lehrer für Mathematik und Physik tätig ist, und Heinrich Wagner, der zusammen mit dem verstorbenen Zahnarzt W. Ritz nach dem gemeinsamen Bau eines großen Spiegelteleskops (nach Newton) viele Jahre hindurch als erfolgreicher Amateurastronom tätig war.

Am 1. Juli 1978 wurde die Vereinigung der Nordenhamer Sternfreunde e.V. gegründet. Ziel war es, auf dem Dach des Nordenhamer Gymnasiums eine Sternwarte und im Gebäude auch ein Planetarium einzurichten. Inzwischen ist der Mitgliederstand der Vereinigung auf über 100 angewachsen. Seit der Gründung ist Siegfried Lührs erster Vorsitzender und Heinrich Wagner zweiter Vorsitzender.

Es fügte sich gut, daß die Olbersgesellschaft Bremen (die hinsichtlich Sternwarte und Planetarium eng mit der dortigen Hochschule für Nautik zusammenarbeitet) ihr altes Kleinplanetarium, das noch aus der Vorkriegszeit stammte, gegen ein neues ZKP-2 (Skymaster) austauschen wollte. Der Landkreis Wesermarsch und die Stadt Nordenham leisteten Hilfe: Das Bremer Planetarium konnte für Nordenham gewonnen werden. Eine 6-m-Kuppel wurde im Schulgebäude eingerichtet. Im September 1980 fand die Eröffnung statt.

Inzwischen gingen die Vorbereitungen an der Volkssternwarte weiter. Einige Instrumente wurden bereits frühzeitig erworben. Aber erst am 21. September 1985 konnte die Eröffnung stattfinden. Frau Prof. Dr. Seitter vom Astronomischen Institut der Universität Münster hielt den Festvortrag.

Das Ziel hätte aber nicht erreicht werden können, wenn nicht zahlreiche Mitglieder und Freunde der Vereinigung in Eigenleistung die Planetariumskuppel und die Sternwarte errichtet hätten (Fotos). Hervorzuheben ist zunächst der Leiter des städtischen Bauamtes Gert Meiners, der den Planetariumsbau leitete und tatkräftig mit Hand anlegte, dann in besonderem Maße der Bauingenieur Ernst Sauerbaum, der mit großem Engagement den Plan für die Volkssternwarte erstellte und den umfangreiche und schwierigen Bau bis zur Vollendung leitete und nicht zuletzt der beste Mann, Kriminalhauptkommissar Joachim Weigel, der bei der Ausführung beider Bauvorhaben in sehr großem Maße beteiligt war und der sein ungemein vielseitiges Können bei allen anfallenden Arbeiten unermüdlich einsetzte.

In starkem Maße waren auch Adolf Schulze, Hans Nienaber als Designer, Siegfried Lührs, Harald Simon und besonders in bezug auf Vorarbeiten Heinrich Wagner, sowie eine Reihe von Schülern und Studenten, die hier nicht alle namentlich aufgeführt werden können, beteiligt.

Die Sternwarte besteht aus einer geräumigen 6,75 x 7,50 m großen Plattform mit Schiebedach. Am Rand finden sich einige Sitzreihen. Neben dieser Beobachtungsfläche befindet sich noch ein 11m² großer Aufenthaltsraum mit Bibliothek und anderen Sammlungen. Unter dem Schiebedach befindet sich ein Celestron 14, das kürzlich die 7AO-Montierung nach Alt erhalten hat. Weiterhin verfügt die Vereinigung über einen Newton-Spiegel mit 110mm Öffnung sowie eine Celestron 8 Zoll Schmidt-Kamera in Verbindung mit einem Celestron 5 und einem Photometer. In Privatbesitz ist ein Celestron 8, ein Questar mit 3,5 Zoll Öffnung und ein H-Alpha Filter zur Beobachtung der Sonne.

Inzwischen erfreut sich die Vereinigung in Nordenham und in der weiteren Umgebung großer Beliebtheit. Zu den Vorträgen und Veranstaltungen kommen oft Sternfreunde aus größerer Entfernung, wie Wilhelmshaven oder Oldenburg angereist. In der Regel finden augenblicklich jährlich etwa 28 Planetariumsvorträge und zahlreiche Führungen auf der Sternwarte, meist im Anschluß an die Planetariumsvorträge, statt. Zu den 8 größeren Lichtbilder- und Experimentalvorträgen werden zu einem erheblichen Anteil auch auswertige Redner eingeladen. Jährlich findet auch eine Exkursion zu anderen Instituten, z.B. nach Effelsberg, zum Hohen List, nach Berlin usw. statt.

Natürlich widmen sich einige Mitglieder der Vereinigung auch der Himmelsbeobachtung. Adolf Schulze photographiert Mond, Planeten und stellare Objekte. Über die Aktivitäten von Harald Simon, der seit einigen Jahren in Oldenburg wohnt, wurde bereits in SuW, Juni 1984, berichtet. Siegfried Lührs arbeitet seit einiger Zeit am Astronomischen Institut der Universität Münster an Problemen der Emissionslinien von Wolf-Rayet-Sternen; in Verbindung damit führte er Messungen auf La Silla/Chile, in Israel und am Calar Alto aus.

So hat sich im äußersten Nordwesten der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren ein hervorragendes Sammelbecken von Freunden der Astronomie herausgebildet, das sicher auch in den nächsten Jahren noch eine große Zukunft haben wird.

Fotos

Gründungstag
Planetariumskuppel
Schlüsselübergabe bei der Eröffnung
Einweihung der Sternwarte
Hier ist der Kuppelrohbau des Planetariums zu sehen.
Der im Bau befindliche Eingang zum Planetarium.
Der noch nicht ganz fertige Aufgang zur Sternwarte.
Arbeitsdienst beim Bau der Sternwarte.
Besuch in Effelsberg
Login